März 04, 2025 - Min LesedauerMin Lesedauer

Wie ein multidisziplinärer Ansatz, Ergebnisse für Patienten mit Mundkrebs optimieren kann

Krebstherapien können Nebenwirkungen und Komplikationen sowohl im gesamten Körper als auch in den betroffenen Bereichen verursachen.

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Wenn Krebs im Kopf- und Halsbereich auftritt, sind Patient:innen oft mit der Störung mehrerer regulärer Funktionen wie Sprechen, Schlucken, Schmecken und sogar Atmen konfrontiert. Dies wirkt sich negativ auf die Lebensqualität aus und erhöht das Risiko, dass sich ihr Zustand verschlechtert.

Um weitere Komplikationen zu vermeiden, müssen Patient:innen, die sich einer Behandlung von Krebserkrankungen im Kopf- und Halsbereich unterziehen, unbedingt weiterhin eine gute Mundhygiene betreiben.

In unserem "Let's Talk Oral Health" Experten-Gespräch diskutierten Rachel Chau, Scientific Affairs Manager von SUNSTAR Global, Prof. Carlo Lajolo aus Italien und Susan Cotten aus den USA über Risiken für die Mundgesundheit, die sich aus Krebstherapien ergeben, sowie über bewährte Verfahren zur Gewährleistung optimaler Patientenergebnisse bei Krebsbehandlungen.

Das Webinar können Sie sich gleich hier ansehen, oder weiter unten die wichtigsten Highlights und Erkenntnisse nachlesen.




Erkennung von Mundkrebs

Als Spezialist für Krebserkrankungen im Kopf- und Halsbereich stellt Prof. Lajolo fest: „Weltweit gibt es jedes Jahr über 300.000 neue Fälle von Mundkrebs."

Diese Fälle treten häufiger in Bevölkerungsgruppen auf, die eine schlechte Hygiene haben, Tabakprodukte konsumieren und übermäßig Alkohol trinken.

Laut Prof. Lajolo ist die beste Möglichkeit, die Mundgesundheit durch eine Krebstherapie zu erhalten, die Früherkennung. Frau Cotten stimmt ihm zu. „Kopf- und Halskrebs beeinträchtigen alle wichtigen Strukturen für unsere Sprache und Kommunikation“, sagt sie. „Sie wirken sich darauf aus, wie wir unser Leben durch Essen und Trinken aufrechterhalten. Früherkennung ist der Schlüssel zu besseren langfristigen Ergebnissen.

Das zahnärztliche Team kann Mundkrebs durch eine gründliche visuelle und taktile Untersuchung erkennen. Dabei wird der Mund von außen und innen betrachtet, ebenso die Lymphknoten und Drüsen, die Muskulatur und die Schilddrüse.

Patient:innen werden nach ihrem persönlichen Empfinden von andauernder Heiserkeit oder Schluckbeschwerden befragt. Abschließend führt das zahnärztliche Team eine Untersuchung des weichen Gaumens, des Gaumenzäpfchens, der Gaumenmandeln, des hinteren Drittels der Zunge und des vorderen Teils des Mundes durch. Alle festgestellten Auffälligkeiten oder besorgniserregenden Beschwerden der Patient:innen können zu einer Überweisung zur Krebsvorsorge in die Onkologie führen.

Diese umfassenden Untersuchungen sind ein wichtiger Bestandteil von Prof. Lajolos Unterricht. "Ich sage unseren Studenten immer: Die gesamte Mundhöhle muss untersucht werden; auch die Bereiche, die schwierig einzusehen sind. Eine frühzeitige Diagnose ist dabei ein sehr wichtiger Faktor, um schnell gegen zu steuern".

Mundkrankheiten im Zusammenhang mit der Krebsbehandlung

Zwar können chirurgische Eingriffe die Mundhöhle beeinträchtigen, doch die Krebsbehandlung, welche die meisten Probleme verursacht, ist die Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich.

Eine Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich beeinträchtigt häufig die Speicheldrüsen. Selbst minimale Schäden können hier zu Beschwerden führen, die von mäßig verschlimmernd bis lebensbedrohlich reichen.

Mundschleimhautentzündung (Mukositis)

Eine Mundschleimhautentzündung (Mukositis) ist eine Erkrankung im Kopf- und Halsbereich, die als Folge einer Strahlentherapie, einer Chemotherapie oder einer Kombination aus beidem auftreten kann. Ein Zusammenhang zwischen Radio- oder Chemotherapie und Mukositis wurde erstmals Ende der 1980er Jahre von Sonis et al. vermutet.

Diese Krankheit befällt insbesondere die Schleimhäute des Mundes und des Verdauungstrakts. Die Mukositis schädigt sowohl das Epithel als auch das darunter liegende Bindegewebe und löst eine Reihe von Entzündungsbotenstoffen wie TNF-alpha, Interferon Gamma aus. Diese verursachen die Bildung von großflächigen Ulzerationen und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen.

Die orale Mukositis wird anhand einer von der WHO entwickelten vierstufigen Skala bewertet. Die Skala reicht von Grad 0, bei dem die Patient:innen keine Anzeichen der Erkrankung zeigen, bis zu Grad 4, bei dem die Ulzerationen so weit fortgeschritten sind, dass die Patient:innen ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen und eine Ernährungssonde gelegt werden muss.

Nach Einschätzung von Frau Cotten kann noch mehr getan werden, um zu verhindern, dass sich eine Mukositis des Grades 4 entwickelt. "Manchmal agieren wir bei Patienten mit Kopf- und Halskrebs nicht proaktiv, sondern reaktiv, wir warten zu lange, bis wir etwas feststellen. Stattdessen müssen Patienten nach der Diagnosestellung in ein Präventionsprogramm einbezogen werden, damit wir gemeinsam mit ihnen einige dieser Probleme reduzieren können"

Prof. Lajolo ist ebenfalls dieser Meinung. "Wir sollten zur Reduzierung des Risikos proaktiv vorgehen, um schwerwiegende Folgen zu verhindern."

Wenn Sie mehr über orale Mukositis erfahren möchten, lesen Sie den mit Prof. Lajolo entwickelten klinischen Leitfaden auf der SUNSTAR Website.

Xerostomie

Xerostomie ist ein Phänomen, bei dem Patient:innen das Gefühl haben, dass ihr Mund nicht genügend Speichel produziert. 

Für Patient:innen, die über Xerostomie-ähnliche Symptome klagen, schlägt Prof. Lajolo eine sachliche und fachliche Bewertung vor. Die Messung des Speichelflusses erfolgt durch die Ermittlung des basalen Ruhespeichels und des stimulierten Speichels mittels Kauen auf Paraffin.

Die Strahlentherapie ist eine wichtige Ursache für die Xerostomie bei Krebspatient:innen. Jedoch kann diese auch durch andere Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sowie durch bestimmte Medikamente verursacht werden.  

In Anbetracht der Tatsache, dass manche Patient:innen mit einer bereits bestehenden Xerostomie in die Krebsbehandlung gehen, betont Prof. Lajolo: "Die Verwendung von Speichelersatzprodukten kann eine große Hilfe sein."

Frau Cotten weist darauf hin, dass den Betroffenen häufig zum Lutschen von Bonbons geraten wird, um den Speichelfluss anzuregen. Leider wird dabei aber häufig zu zuckerhaltigen Bonbons gegriffen, die andere Zahnerkrankungen verschlimmern können. Frau Cotten schlägt vor stattdessen auf zuckerfreie Lutschtabletten mit Zitronensäure oder Produkte auf Xylitol-Basis hinzuweisen.

"Es ist wichtig, proaktiv zu handeln und Patient:innen Produkte gegen Mundtrockenheit anzubieten, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern."

Orale Candidiasis

Orale Candidiasis ist eine Infektion, bei der sich der Pilz Candida albicans im Mund ansammelt.

Wenn eine Schädigung der Speicheldrüsen zu einer Verringerung des Speichelflusses führt, kann dies die normale physiologische Reinigung des Mundes beeinträchtigen. Erhebliche Veränderungen in der oralen Mikrobiota können das Auftreten von Candida begünstigen, was für die Betroffenen zu einem chronischen Problem werden kann. Die orale Candidose wird durch einen Mundschleimhautabstrich bestätigt.

Die Behandlung der oralen Candidose umfasst die Einnahme von Medikamenten oder Probiotika, die dazu beitragen, die Mundflora wiederherzustellen und die Candida albicans-Infektion zu verdrängen.

Frau Cotten schlägt vor, Patient:innen zu Beginn der Krebsbehandlung ein Probiotikum zu verabreichen. „Es gibt keine absolute Lösung, um das Auftreten dieser Bedingungen zu verhindern, aber das Auftreten einer oralen Candidose könnte dadurch vielleicht verringert werden".

Ausbreitung von Karies und Parodontalerkrankungen

"Dentalhygieniker:innen leben in der Parodontalerkrankung", beobachtet Frau Cotten. "Wir sollten uns fragen: Was können wir tun, um Patienten bei einer Krebsdiagnose zu helfen, so viele Zähne wie möglich zu halten?" 

Nach Cotten ist die Tätigkeit von Dentalhygieniker:innen bei der Behandlung von Krebspatient:innen von grundlegender Bedeutung. "Je mehr Zähne wir im Mund halten können, desto mehr verringern wir das Risiko einer Extraktion die zu weiteren Problemen führen kann."

Bei starkem Kariesbefall wird der Zahnschmelz geschädigt und erreicht das Dentin. Betroffene sollten deshalb mit Silber-Diamin-Fluorid (SDF) behandelt werden und eine Fluoridschiene für die häusliche Anwendung erhalten. Bei Krebspatient:innen besteht außerdem ein erhöhtes Risiko für Parodontalerkrankungen, Zahnverlust und andere Komplikationen im Zusammenhang mit ihrer Krebsbehandlung. 

Prophylaxe ist auch hier der erfolgreichste Weg, um das Risiko von Karies- und Parodontalerkrankungen zu minimieren. Ebenfalls entscheidend ist die Aufklärung über die richtige Mundhygiene vor Beginn der Krebsbehandlung.

Eine Übersicht über die fachübergreifende Betreuung

Zum Abschluss ihres Gesprächs betonten Prof. Lajolo und Frau Cotten die Bedeutung der fachübergreifenden Zusammenarbeit. Dabei geht es nicht nur um die Sicherstellung der Mundgesundheit von Patient:innen, die sich einer Kopf- und Halskrebsbehandlung unterziehen, sondern um alle Krebsbehandlungen.

Im Folgenden gab Frau Cotten einen Überblick über die besten Behandlungsmethoden bei der Erkennung und Behandlung von Mundkrebspatient:innen. 

  1. In der Zahnarztpraxis wird eine gründliche Untersuchung durchgeführt und ggf. erfolgt eine Überweisung zur Gewebeentnahme.
  2. Multidisziplinärer Ansatz: Das Zahnarztteam setzt sich nach der Diagnose mit dem Onkologen in Verbindung und bittet, über den Fortgang der Krebsbehandlung informiert zu werden.
  3. Vor Beginn der Krebsbehandlung vereinbart das Zahnarztteam einen Termin mit den Patient:innen, um die Mundhygieneanweisungen zu besprechen, Fluoridschienen anzufertigen und Produktempfehlungen auszusprechen. Unsere GUM® Post-Operation Zahnbürste für die Zeit nach dem chirurgischen Eingriff eignet sich hierfür ideal.  
  4. Das Zahnarztteam vereinbart Recalltermine um die Mundgesundheit zu beurteilen, Probleme zu erkennen und Fluoridbehandlungen in der Praxis durchzuführen. 
  5. Kontinuierliche Beurteilung, ob die aktuellen Produkte für die Patient:innen noch geeignet sind.

Prof. Lajolo betont die Bedeutung der multidisziplinären Behandlung von Patient:innen und reagiert emphatisch "Dies ist unser klinischer Alltag, und dies sind unsere Patienten. Ihr Gesundheitszustand ist schwierig und anspruchsvoll, deshalb  brauchen wir einen engagierten, multidisziplinären Ansatz, um eine bestmögliche Behandlung anzubieten."

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